Barocker Kuppelbaldachin für das Museum Burg Zug

Ein aussergewöhnlicher Auftrag
Ein aussergewöhnlicher Auftrag

Der Auftrag umfasst den Entwurf und die Anfertigung eines Barocken Kuppelbaldachin mit eingefügtem Vorhang. So will man einen stilvollen Rahmen schaffen für eines der wertvollsten Ausstellungsstücke des Museums: Tabernakel, Holz, mit Schildpatt furniert, von Franz Schumacher (1629-1697), datiert 1667. Als Grundlage dienten Vergleichsabbildungen (Wallfahrtskirche Hergiswald), die Ausmasse des zu bekrönenden historischen Tabernakels, Vermassungen des geplanten, kleinen Ausstellungsraumes.

Beschaffung der Zutaten
Beschaffung der Zutaten

Die Materialisierung bestand fast ausschliesslich aus der Suche nach einem Damaststoff, welcher zu der vorgegebenen Raumfarbe "Purpur" passte. Der Damast aus dem Liturgiebedarf konnte nicht verwendet werden, da die gotische Kreuzmusterung nicht in die Barockzeit gehört. Fündig wurden wir mit einem Produkt der Firma Dörlinger & Nickow, welches mit seiner hellbraunen Sekundärfarbe den Übergang zu den warmen Tönen des Ausstellungsobjektes überleitet.

Eine solide Holzkonstruktion
Eine solide Holzkonstruktion

Die Form der Halbkuppel ergab sich aus der Distanz von nur 23 cm zwischen Raumhöhe und Aufsatzkreuz des Tabernakels. Dadurch wurde die Kuppel flach gewölbt und zusätzlich mit einem Rundbogen an der Front versehen. Die Konsruktion erfolgte mit Zuschnitten aus Birkensperrholz, die Flächen mit Maschinenkarton.

Wie ein Stück Architektur
Wie ein Stück Architektur

Die Konstruktion ist äussertst stabil, wenn auch etwas zu schwer. Ich konnte darauf stehen.... Die Flächen bilden ein Kuppel-Äusseres und ein Kuppel-Inneres, welches auf raffinierte Art mit einer gebogenen Rückwand versehen ist, welche eine Scheinperspektive erzeugt, die dem Betrachter vormacht, er sehe in ein vollständiges Achteck. Die Rückwand verdeckt gleichzeitig die Vorhangaufhängung.

Der Damast entfaltet seine Wirkung
Der Damast entfaltet seine Wirkung

Mit einer feinen Wattierung wurden alle Teile des Objektes möglichst musterpassend mit dem Damast überzogen. Getreu der barocken Handwerkspraxis bei textilen Dekorationen wurde auf Zierrat aus anderen Materialien verzichtet, es wurden alle Teile mit Stoff eingefasst und mit Brokarborten umwickelt. Diese Technik wurde selbst bei den Bettpfosten der Himmelbetten zur Zeit des Sonnenkönigs angewendet.

Die Puzzleteile sind bereit...
Die Puzzleteile sind bereit...

Mit äusserster Genauigkeit wurden die feinen Schabracken aus dünner Holzfaserplatte geschnitten und die Kanten beidseitig ausgeschiftet. Der Damast konnte auf drei Seiten mit der Maschine zusammengenäht, gestürzt und über die Form gezogen werden. Eine der feinsten Blendenarbeiten, die ich machen kann, sind doch die Zungen der Volants keine sieben Zentimeter breit...

Generalprobe...
Generalprobe...

Der montagefertige Baldachin, hier versehen mit den abschliessenden Posamenten, es sind verschiedene Brokatbänder und die extrakleinen Quasten, welche wir selber hergestellt haben. Die Konstuktion hängt an zwei Pfosten aus Buchenholz.

Ein Schnappschuss nach der Montage
Ein Schnappschuss nach der Montage

Ein letzter Schnappschuss in der "Baustelle Burg" und dem noch leeren Ausstellungsraum.

Der fertige Barockraum Burg Zug
Der fertige Barockraum Burg Zug

Schliesslich der fertige Ausstellungsraum, das feine Licht angepasst an die empfindlichen Ausstellungsstücke. Ich danke der Museums-Kuratorin Frau Dr. Mathilde Tobler und dem Team des Museums Burg Zug für diesen unvergesslichen Auftrag. (Foto mit freundlicher Genehmigung des Museums Burg Zug)